„Das Alte ist das Alte“, die Hände des Meisters falteten den smaragdgrünen Kimono, ohne dass seine Augen hinunterblickten, „es ist der Boden, der unsere Wurzeln hervorgebracht hat. Ohne das Alte kann nichts Neues entstehen.“
Sein Schüler bedachte diese Worte eine Weile, während er ungleich langsamer und mit gelegentlichen Blicken hinab auf das Werk seiner Hände den dunkelgrünen Unterkimono vor sich zusammenlegte. „Meister – ist es aber nicht dennoch das Neue, das uns vorwärtsbringt, in die Zukunft und hin zu den Reichtümern, welche die neue Zeit für uns bereithält? Verzerrt nicht die beständige Prüfung des Alten unseren Blick für das Neue?“
„Du hast noch viel zu lernen“, entgegnete der Meister. „Die Meisterschaft liegt darin, das Alte zu sehen, zu prüfen und dann loszulassen. Es ist bei uns, in uns, mit uns, wenn wir vorwärtsschreiten. Der Weg, der hinter uns liegt, wurde dennoch gegangen. Von uns und unseren Ahnen vor uns. Wir müssen ihn ehren, so wie wir sie ehren. Denn die Zukunft ist wie das Meer – unstet, glitzernd und blendend bisweilen oder auch sturmumtost und wild. Erst nachdem wir sie durchschritten haben und sie zur Vergangenheit wurde, dann ist sie fest und klar.“
Der Schüler senkte demütig sein Haupt und bedachte die Worte des Meisters.
Eine Kirschblüte sank im sanften Ostwind von den Ästen des knorrigen alten Kirschbaumes hinab und landete taumelnd auf der dunkelgrünen Seide. Die knochige Hand des Meisters barg das duftende Kleinod wie ein aus dem Nest gefallenes Vogeljunges. Versonnen sprach er, vielleicht zu seinem Schüler, vielleicht zu sich selbst: „Ein Frühlingsblüte wird nur allzu schnell zur Herbstblume, wenn der Wind sich dreht oder der Kaiser sein Haupt neigt.“
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